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Ostern in Russland: Traditionen, Bräuche und kulinarische Genüsse

In diesem Jahr wird das traditionelle Osterfest (auf Russisch: Пасха [páßcha]) am 05. Mai gefeiert. Es ist das wichtigste religiöse Fest der russischen orthodoxen Kirche. Ostern findet in Russland nach dem julianischen Kalender.


Diesen Kalender führte der römische Kaiser Julius Caesar im Jahr 45 vor Christus ein. Er ist der Vorläufer des heute in Westeuropa gebräuchlichen gregorianischen Kalenders. Die orthodoxe Kirche feierte Feste, wie z.B. Weihnachten, in der Regel 13 Tage später.



Da Ostern sowohl in der römisch-katholischen als auch in orthodoxen Traditionen am ersten Sonntag nach dem Vollmond nach der Frühlings-Tagundnachtgleiche gefeiert wird, kommt es oft zu viel größeren Differenzen zwischen den beiden Kalendern.


Ostern markiert den Frühlingsanfang. Die Feierlichkeiten sind tief in alten Traditionen verwurzelt und spiegeln die reiche Kultur und Geschichte Russlands wider.


Zum Fest begrüßen sich die Menschen mit den Worten „Christos voskrese!“ (Christus ist auferstanden!). Darauf wird mit „Voistinu voskrese!“ (Wahrhaft auferstanden!) geantwortet.


Die Große Fastenzeit


Die Vorbereitung auf Ostern beginnt mit der Großen Fastenzeit, die sieben Wochen vor Ostern einsetzt. Diese Zeit ist geprägt von Besinnung, Gebet und dem Verzicht auf Fleisch, Milchprodukte und in manchen Fällen auch Fisch. Die Fastenzeit dient der spirituellen Reinigung und Vorbereitung auf das Fest der Auferstehung.


Die Heilige Woche


Schon eine Woche vorher, am sogenannten Weidensonntag (oder zu Russisch „Verbnoe voskresen`e“), wird der Feiertag der Auferstehung traditionell eingeläutet. Dies ist aus folgender Legende entstanden: das Volk habe Jesus bei seinem Einzug nach Jerusalem mit Palmzweigen begrüßt. Die Palmzweige werden in der orthodoxen Praxis durch Weiden ersetzt, weil sie als Symbol für das Wiedererwachen der Natur stehen. Traditionell werden die Zweige in der Abendmesse vor dem Palmsonntag geweiht- das soll vor Krankheiten schützen, und hält böse Geister von Haus und Familie fern.



Diese Woche vor Ostern, bekannt auch als die Heilige Woche, ist gefüllt mit Gottesdiensten und rituellen Handlungen. Einer der Höhepunkte ist der Gottesdienst in der Nacht von Samstag auf Sonntag. Kirchen sind bis zum Rand gefüllt, und die Gläubigen versammeln sich mit Kerzen in den Händen, während der Priester die Kirche umrundet und schließlich das "Christus ist auferstanden!" verkündet. Dieser Moment, wenn das Licht der Kerzen den dunklen Raum erhellt, symbolisiert die Auferstehung Jesu und die Hoffnung auf ein neues Leben.



Traditionelle Symbole und Bräuche


In der Woche vor Ostern wird mit dem „Frühlingsputz“ alles für das heilige Fest vorbereitet. Dieser endet am Donnerstag vor dem Ostersonntag. An diesem Tag werden auch die Ostereier bunt gefärbt und Osterkuchen gebacken. Beidem wird in Russland eine besondere Bedeutung zugeschrieben:


Eier spielen eine zentrale Rolle in den Ostertraditionen Russlands. Das Oster-Ei symbolisiert neues Leben und Auferstehung. Die Tradition des Eierfärbens ist sehr alt; besonders berühmt sind die kunstvollen Fabergé-Eier, die ursprünglich als Osterüberraschungen für die russische Zarenfamilie angefertigt wurden. Heute bemalen Familien hartgekochte Eier in leuchtenden Farben und Mustern, wobei Rot als Symbol für das Blut Christi am häufigsten verwendet wird.



Ein weiteres wichtiges Element ist der "Kulitsch", ein süßes, hohes Brot, das speziell für Ostern gebacken wird. Der Kulitsch wird zusammen mit den gefärbten Eiern gesegnet und am Ostersonntag im Kreis der Familie verzehrt.



Ebenfalls beliebt ist die "Paßkha", ein Dessert aus Quark/Topfen, die in eine pyramidenförmige Form gepresst und mit Früchten oder Nüssen verziert wird. Es gibt Versionen, wonach die Masse, wie auch der Quark/Topfen selbst, eines der ältesten heiligen Gerichte ist, das mit Fruchtbarkeit und der Verehrung von Fruchtbarkeitsgöttern in Verbindung gebracht wird.



Gemeinschaft und Familie


Ostern ist in Russland auch ein Fest der Gemeinschaft und Familie. Nach dem Gottesdienst treffen sich Familien und Freunde, um die Auferstehung Christi zu feiern. Es ist üblich, einander mit den gefärbten Eiern zu beschenken und dabei die Worte "Christus ist auferstanden!" auszutauschen, auf die mit "Er ist wahrhaftig auferstanden!" geantwortet wird.


Ostern ist somit nicht nur ein religiöses Fest, sondern auch eine Zeit der Freude, des Neubeginns und der familiären Wärme. Die vielfältigen Traditionen und Bräuche spiegeln die tiefe spirituelle und kulturelle Identität Russlands wider und machen Ostern zu einem unvergesslichen Erlebnis.



Obwohl sich die modernen Feierlichkeiten in einigen Aspekten gewandelt haben und regionale Unterschiede aufweisen können, bleibt der Kern des Osterfestes in Russland unverändert: Es ist eine Zeit der Hoffnung, des Glaubens und der Erneuerung, die tief in der Seele des russischen Volkes verankert ist.




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